Prinz Claus der Niederlande

Geboren in Hitzacker als Claus von Amsberg
* 06.09.1926 in Hitzacker. Diplomat, Prinz der Niederlande und Ehegemahl der niederländischen Königin Beatrix.
+ 06.10.2002 Amsterdam

Die Vorfahren Claus von Amsbergs

Die Amsbergs waren ein ursprünglich in Pommern, später auch in Mecklenburg ansässiges Pfarrergeschlecht. Als frühester bekannter Vorfahr gilt der Schmiedemeister Jürgen Amtsberg, der 1686 in Schwichtenberg bei Demmin starb.

Der Aufstieg der Familie innerhalb des Adels ist auf überragende persönliche Leistungen zurückzuführen, insbesondere auf den Schöpfer der ersten deutschen Staatseisenbahn, Philip von Amsberg (1788-1871), einem hervorragenden Staatsmann und Wirtschaftsplaner.

Die vollständige Ahnentafel Claus von Amsbergs umfaßt 127 Vorfahren, und es gibt sogar verwandtschaftliche Verbindungen zur holländischen Königsfamilie: Die Ahnen Nr. 194/195 hat Claus von Amsberg gemeinsam mit Königin Beatrix, bei der diese jedoch die Plätze 360/361 einnehmen.

Ein Vorfahr, der für Holland fiel

1794 kam es nach der Kriegserklärung Frankreichs an Holland und England auch am Waal (Fluß in Holland) zu blutigen Gefechten. Mit dabei (auf holländischer Seite) kämpfte der kurhannoversche General der Infanterie, Gouverneur von Hameln und - Urururgroßvater Claus von Amsbergs - Georg Wilhelm Daniel v. d. Bussche-Haddenhausen. Sein Tod am 11. Dezember ist im Tagebuch des Freiherrn A. F. v. d. Bussche-Ippenburg festgehalten: „Eine kleine Bombe, welche in dem Hauptgraben herunterstreifte, traf den General Bussche und zerschmetterte ihm die Brust und den Arm. Sein Adjutant eilte hinzu, allein er war seiner Sprache nicht mehr mächtig und verschied nach einigen Augenblicken. ... Er war bieder und offen ... sein Tod wurde allgemein beklagt... Der 14. Dezember war der Tag, wo wir die teure Hülle des Generals Bussche hier in Arnheim in der Kirche der Erde überlieferten. Das Gefolge war stark und jedermann empfand den Verlust dieses so braven Mannes.“
Der Vater dieses gefallenen Generals, Hilmar Albrecht v. d. Bussche, ist übrigens ebenfalls ein Vorfahre von Königin Beatrix der Niederlande.

Das Gut Dötzingen und die Familie v. d. Bussche

Das westlich von Hitzacker gelegene Gut gehörte ursprünglich zu den Besitzungen der – erstmals 1171 genannten – Herren von Hitzacker, noch 1663 gehörten dazu weiterhin Hagen, Herrenhof und Meudelfitz.

Nach Aussterben der Hauptlinie 1791 und der Nebenlinie 1870 kam das Gut Dötzingen durch Verfügung der hannoverschen Regierung an die Familie Graf Oeynhausen. Gräfin Oeynhausen war eine geborene v. d. Bussche. Nach 1918 erbte es die Familie v. d. Bussche.

Der Großvater von Prinz Claus, Georg Freiherr v. d. Bussche, Träger des Ordens Pour le Mérite und ehemaliger Oberstleutnant, verbrachte seinen Ruhestand auf Gut Dötzingen. Aus seiner Ehe mit Gabriele Freiin v. d. Bussche-Ippenburg waren vier Kinder hervorgegangen: Barbara (1900 - ), Gosta (1902-1996), Rixa (1903 - ) und Julius (1906-1977). Letzterer war 1949-1972 Bürgermeister der Stadt Hitzacker und 1956-1968 Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg.

Die Amsbergs in Dötzingen

Am 23. März 1923 verstarb Georg Freiherr v. d. Bussche, Eigentümer des Gutes Dötzingen, an den Folgen eines Unfalles. Da sein einziger Sohn Julius noch das Gymnasium besuchte und die Witwe das Anwesen allein nicht verwalten konnte, wurde im Juni desselben Jahres ein Verwalter eingestellt - Claus Felix Friedrich Leopold von Amsberg - der vor dem 1. Weltkrieg als Landwirt und Farmer in Ostafrika und nach 1919 auf dem Gut Grese bei Wismar gewirkt hatte. 1920 hatte er als landwirtschaftlicher Beamter das in der Nähe belegene Gut Krassow übernommen und konnte somit einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen aufweisen.

Am 4. September 1924 schloss Claus von Amsberg die Ehe mit der zweitältesten Tochter seiner Arbeitgeberin – Gosta Julie Adelheid Marion Marie Freiin von dem Bussche-Haddenhausen. Das Paar führte das Gut noch die nächsten fünf Jahre hindurch, um daraufhin wieder nach Afrika zu gehen (das sie nach dem 2. Weltkrieg wieder verlassen mussten und 1947 in Dötzingen ankamen, wo der andere Teil der Familie schon seit Kriegsende war).

Aus dieser Ehe sind sieben Kinder hervorgegangen – sechs Mädchen und ein Sohn, Claus von Amsberg, der am 6. September 1926 – also noch auf Dötzingen – geboren wurde.

Die Kindheit

Claus wuchs nach seinem 3. Lebensjahr in Tanganjika (heute Tansania) auf. Seine Familie war 1929 in diese britische Kolonie übergesiedelt, da sein Vater dort zunächst eine Kaffeeplantage besaß und später zusätzlich eine Sisalplantage verwaltete. Voller Interesse an seiner Umgebung, streifte der junge Sprössling gern allein durch die Pflanzung und erkundete die – für Kinder nicht ungefährliche - Gegend, befasste sich mit Pflanzen und Tieren und freundete sich auch gern mit den schwarzafrikanischen Helfern und deren Kinder an.

Schule, Ausbildung und Beruf

Im Alter von sieben Jahren wurde der Junge nach Deutschland zu seiner Großmutter nach Doberan, wo auch seine beiden Schwestern Sigrid und Rixa lebten, geschickt, um dort eine bessere Schulbildung zu erhalten.

In einer kleinen privaten Schule erlebte er fortan Enge und Reglement, die in einem strikten Gegensatz zu der unbekümmerten Zeit in Afrika standen. Zudem stellten die drei Enkel für die Großmutter doch eine ziemliche Belastung dar, so dass die Eltern sich gezwungen sahen, ihren Sohn wieder zurückkehren zu lassen. Die weitere Schulzeit verbrachte der Junge daraufhin in einem Internat in Lushoto (Tanganjika). Das war jedoch keine gute Lösung, so gab es 1938 wiederum einen Schulwechsel in das an der Ostsee gelegene Internat Misdroy (heute Polen). 1943 kam Claus von Amsberg doch wieder zur Großmutter und den beiden Schwestern zurück, um das dortige Gymnasium “Friderico-Francisceum“ zu besuchen. Kurze Zeit später wurde er mit der gesamten Klasse nach Kiel zur Marineflak delegiert, kam jedoch 1944 nach Doberan zurück, um dort das sogenannte Notabitur zu absolvieren.

Nach Kriegsende schloss sich ein Jurastudium in Hamburg an. Nach dessen erfolgreicher Beendigung war Claus von Amsberg von 1957 bis 1965 als Diplomat in der dominikanischen Republik und der Elfenbeinküste tätig und galt zudem als Spezialist für Afrikafragen.

Schwere Zeiten

Vom 2. Weltkrieg waren auch die Amsbergs nicht verschont geblieben: Die in Afrika verbliebene Familie wurde mit Beginn des Krieges 1939 von den Engländern interniert. Der 16jährige Claus von Amsberg dagegen wurde ab Dezember 1942 als Flakhelfer der Marine in Ostswine, sowie zwei Jahre später bei den „Panzern 6“ in Neuruppin eingesetzt. Parallel dazu ging seine Schulausbildung bis zum Abitur jedoch weiter. 1945 diente er für wenige Monate in Italien als Soldat bei der 90. Panzergrenadierdivision und geriet noch gegen Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft.

21 Jahre später sollten sich diese Jahre für Claus von Amsberg erneut zu „schweren Zeiten“ gestalten, denn als gebürtigen Deutschen lasteten ihm viele skeptische Niederländer die jüngste Vergangenheit an. Schließlich war gerade ein Vierteljahrhundert nach Hitlers Einfall in die Niederlande vergangen, und er selbst war angeblich Mitglied in der HJ und der Wehrmacht gewesen

In einigen Teilen des Landes im kam es zu Demonstrationen und Versammlungen. Die Parole „Claus raus“ war oft zu hören.

Hochzeit mit Hindernissen

Claus von Amsberg musste sich – aufgrund seiner militärischen Vergangenheit - noch vor seiner Verlobung einer intensiven Befragung in einem regelrechten Kreuzverhör unterziehen, das er jedoch in seiner bekannten Ruhe, Entschlossenheit, Offenheit und Ehrlichkeit beispielhaft meisterte.

Als niederländische Thronfolgerin benötigte Prinzessin Beatrix ein formelles Heiratseinverständnis der Regierung. Ohne dieses hätte sie ihr Anrecht auf den Thron aufgeben müssen. So musste sich auch die Kronprinzessin einem Gremium stellen, dessen Einwänden sie mit Sachlichkeit und Überzeugungskraft begegnete.

Die Liebe hatte gesiegt: Am 28.06.1965 konnte die Verlobung begangen werden und am 10.03.1966 wurde das Paar in Amsterdam getraut. Die Heirat verlief allerdings nicht ohne Proteste: Demonstrationen begleiteten den Hochzeitszug und die goldene Hochzeitskutsche verschwand im Nebel einer gezündeten Rauchbombe..

Laut Protokoll des königlichen Hofes wurde Claus von Amsberg durch die Vermählung mit Prinzessin Beatrix der Titel „Prinz der Niederlande“ verliehen.

Claus von Amsberg ein Nazi? Die Wahrheit:

Im Auftrag des Kabinetts des niederländischen Ministerpräsidenten Jo Cals untersuchte der Direktor des Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie (Reichsinstitut für Kriegsdokumentation), Prof. Dr. Lou De Jong, das militärische Vorleben Claus von Amsbergs. Alle bereits aus Deutschland eingegangenen beruhigenden Berichte konnten durch ihn bestätigt werden:

Als 16jähriger noch in der deutschen Kriegsmaschinerie als Soldat eingezogen, hatte sich Claus von Amsberg in keinerlei Hinsicht hervorgetan, ganz im Gegenteil: Als er – bereits gegen Kriegsende – noch im März 1945 zu einer kaum noch vorhandenen Kampffront nach Italien geschickt wurde, nutzte er die allgemeine Verwirrung unter den deutschen Soldaten, um sich – ohne, wie es heißt, jemals einen Schuß abgegeben zu haben – bei den Amerikanern zu melden. Im August 1945 kam Claus von Amsberg von seiner Kriegsgefangenenschaft in England nach München zu einer politischen Überprüfung und wurde nach deren – positivem – Ergebnis sogar von den Alliierten als Dolmetscher eingesetzt. Im übrigen konnte Prof. De Jong auch die Gerüchte über eine SS-Mitgliedschaft entkräften.

Am 24. Dezember kam er in seine alte Heimat nach Dötzingen zurück, wo seine Großmutter mit zwei seiner Schwestern bereits seit Kriegsende lebte.

Unvergessen: der Besuch in Hitzacker

Aufgrund einer Krankheit war es Gosta von Amsberg, der Mutter des Bräutigams, versagt geblieben, an den Verlobungsfeierlichkeiten in Amsterdam teilzunehmen. Das junge Paar stattete daraufhin wenige Wochen später am 2. Oktober 1965 ihr sowie der Stadt Hitzacker einen unvergessenen offiziellen Besuch ab. In einer Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen des Städtchens wurde den königlichen Gästen ein endloser Jubel zuteil. Der Höhepunkt des Besuches bildete ein Empfang im damaligen Rathaus mit einer feierlichen Eintragung in das Goldene Buch der Stadt.

An der Seite der Königin

Kronprinzessin Beatrix wurde 1980 zur Königin der Niederlande inthronisiert. An der Seite der Königin zu leben, hieß für Claus von Amsberg neben seinen eigenen Aufgaben auch sich den protokollarischen Pflichten des Hofes zu unterziehen und das Familienleben den öffentlichen Pflichten einer Königin unterzuordnen.

Königin Beatrix und Prinz Claus haben trotz aller Schwierigkeiten eine glückliche und harmonische Ehe geführt, in der kein Platz für Skandale war; die wenigen ungestörten Stunden waren der Familie und ihren Hobbies vorbehalten.

Obwohl keine offiziellen Besuche in Hitzacker mehr stattfanden, blieben die Einwohner dem Königspaar sehr verbunden. So wurden nur wenige Minuten nach der Geburt des Thronfolgers Willem Alexander bereits in Hitzacker 12 Böllerschüsse aus einer Kanone abgegeben. Wie es kam, dass die Freudenbotschaft so schnell in das Städtchen gelangte, bleibt auch heute noch ein Geheimnis. Und auch von Seiten Prinz Claus blieb der Kontakt zu Hitzacker bestehen: Noch nach dem Krieg war der junge Mann Mitglied im hiesigen Tennisverein gewesen und hat auch nach seiner Verheiratung sehr oft zusammen mit seiner Frau und den drei Söhnen die Gelegenheit genutzt, seine in Dötzingen lebende Mutter zu besuchen. Er fühlte sich in Hitzacker immer sehr wohl.

Durch sein berufliches Engagement, aber auch seine stille, bescheidene Art, hatte Prinz Claus inzwischen die Sympathien der Niederländer erworben. Er hat viel dazu beigetragen zur Verständigung zwischen holländischen und dem deutschen Volk.

Bereits gezeichnet von schweren Krankheiten, hat er im Februar 2002 die glanzvolle Hochzeit von Kronprinz Willem-Alexander mit der argentinischen Ministertochter Maxima Zorreguieta und im Juni 2002 die Geburt seiner ersten Enkeltochter Eloise miterlebt.

Genau einen Monat nach seinem 76. Geburtstag ist Prinz Claus seinen schweren Leiden erlegen.

Ludwig Gerisch, Deutschland und die Niederlande. Vom Feind zu Partnern.

Claus Broschüre
48 Seiten, zweisprachig. Edition Museum Das Alte Zollhaus, ISBN 978-3-941528-07-9

Ludwig Gerisch, Sammatz, hat anlässlich der Krönung von Prinz Willem Alexander über das Lebenswerk von Prinz Claus eine lebendige, kurze Biographie verfasst. Sein Augenmerk galt vor allem dessen Beitrag für die deutsch-niederländische Beziehung. Die Schrift ist zweisprachig verfasst und gibt erstmals in Buchform einen historischen Rückblick auch zu den Beziehungen derer von Amsberg und Hitzacker. Erste Reaktionen: „Ich habe sie gerne gelesen. [...] Viel Glück und freundliche Grüsse, Rolf Seelmann-Eggebert“