Der Geograph Bernhard Varenius



varenius Bernhard Varenius wurde 1622 in Hitzacker als Sohn des Hofpredigers von Herzog August d. J. von Braunschweig-Lüneburg geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Uelzen, wohin sein Vater versetzt wurde. Nach der Schulzeit in Uelzen wurde er schon mit vierzehn Jahren an der Universität Helmstedt immatrikuliert. In Hamburg am Gymnasium von Joachim Jungius, der sein bedeutendster Lehrer wurde und selbst ein wichtiger Reformer der Wissenschaft war, lernte er beim Disputieren den kritischen Umgang mit dem Lehr- und Lernstoff.

Varenius zog dann an die Universität Königsberg, um Mathematik und Medizin zu studieren, war dort aber recht unzufrieden und blieb nur kurz. Vom Ruhm der Universität Leiden, wo herausragende Gelehrte wirkten, versprach er sich mehr. So verbrachte er ab 1645 die letzten, produktiven Jahre seines jungen Lebens in den Niederlanden. Einfach war es nicht; als Hauslehrer für Mathematik schlug er sich mühselig durch und konnte sein Studium nur unter Schwierigkeiten abschließen.

Seine medizinische Doktorarbeit schrieb er 1649 über das Fieber. Was aber seinen Nachruhm begründet, sind die geographischen Bücher in lateinischer Sprache. In Amsterdam erschien 1649 die erste umfassende Beschreibung von Japan, „Descriptio Regni Japoniae“ als letzter Band in der Reihe der Elzevier’schen ‚Republiken’. Darin verarbeitete Varenius Berichte von Missionaren und holländischen Kaufleuten sowie alle sonst erreichbaren Informationen zu einer ersten Darstellung des Landes aus europäischer Sicht.

Am 1.8.1650 datierte Varenius das Vorwort zu seinem bedeutendsten Werk, „Geographia Generalis“. Zwar hat Varenius nie im Gelände gearbeitet und keine fernen Länder gesehen, auch Berge kannte er aus eigener Anschauung nicht, aber er ist der erste Geograph der Neuzeit, der das Wissen seiner Zeit in ein systematisches Ordnungssystem brachte und die Grundlagen der Geographie an den messbaren Größen, an der Mathematik, ausrichtete, wobei auch die Humangeographie und die Spezialgeographie einzelner Regionen zum Gesamtkonzept gehörten.

Beim Erscheinen des Buches, das noch 1650 herauskam, lebte der Autor wahrscheinlich schon nicht mehr. Dieses ist aus dem Fehlen der Tafeln, auf die im Text verwiesen wird, zu schließen. Vielleicht wurde er in einem Armengrab in Amsterdam beigesetzt. Er könnte als Arzt praktiziert und sich an einem Fieber angesteckt haben; womöglich hat er auch die Stadt verlassen und ist unterwegs auf der Reise gestorben. Es gibt keine Quellen mehr, die die Umstände seines Todes mit nur 28 Jahren aufklären könnten.

Sein Buch über die Allgemeine Geographie wurde zu einem Standardwerk bis ins 18. Jahrhundert, das von Isaac Newton 1672 als Textbuch für die Studenten herausgegeben wurde und weite Verbreitung fand.

Thomas Jefferson kannte es im fernen Virginia, ehe er Präsident in Washington wurde, und Zar Peter der Große ließ die „Geographia“ ins Russische übersetzen.