Kurztext: 2012 jährt sich zum 60. Mal der Ausbau der Demarkationslinie entlang der damaligen Staatsgrenze der DDR zur BRD. Während 2011 an den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren erinnert wird und damit die Geschichte der Grenzziehung rund um Berlin aufgearbeitet wird, fehlt bis heute eine entsprechende Aufarbeitung der Schicksale von Grenzopfern an der deutsch-deutschen Grenze entlang der Elbe im Abschnitt Schnackenburg bis Lauenburg.
Die Gemeinde Amt Neuhaus und die Stadt Hitzacker(Elbe), vertreten durch das Museum Das Alte Zollhaus Hitzacker(Elbe), wollen mit diesem für 2012 geplanten Projekt den Anstoß geben, zunächst den Fokus auf den Grenzabschnitt Landkreis Lüchow-Dannenberg und das gegenüberliegende Amt Neuhaus zu richten. Allein im Elbe-Abschnitt Schnackenburg bis Darchau sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen, als sie die Flucht aus der DDR durch die Elbe wagten.
Das Museum Das Alte Zollhaus wird in einem angestrebten Arbeitskreis versuchen, die Museen entlang der Elbe bis Lauenburg anzuregen, derartige Recherchen auch für ihren Bereich anzustellen. (www.museen-in-der-elbtalaue.de)
Ziel des Projektes:
Ziel ist es, die Vorarbeiten, d.h. die Erschließung von Quellen und das Aufspüren von Zeitzeugen, vorzulegen. Mit Hilfe dieses Materials sollen die Voraussetzung für eine Wanderausstellung (mit Objekten) und eine Dokumentation hergestellt werden. Darüber hinaus ist geplant, entlang des Elbe-Radwanderweges am rechtselbischen Ufer, aber auch linkselbisch, Stelen an jenen Orten aufzustellen, die zum Fluchtpunkt wurden. An Ort und Stelle soll über die einzelnen Schicksale informiert werden.
Ziel ist es, das Lebensschicksal und auch die Motive derer zu zeigen, die oft von weither aus der DDR anreisten und die bei einer Flucht ihr Leben aufs Spiel setzten. Es sollen aber auch Beispiele geglückter Fluchten von Ost nach West gezeigt werden. Darüber hinaus richten wir auch den Blick auf „Grenzverletzungen“ von BRD-Bürgern, die im Osten blieben. Die Aufarbeitung soll dazu beitragen, einem oft verklärten Blick auf die ehemalige Grenze entgegenzuwirken und erreichen, dass das Unrechtsystem der DDR an der Elbe nicht in Vergessenheit gerät.
Die Ausstellung soll so konzipiert sein, dass sie in einem zu errichtenden, einfachen Ausstellungshäuschen aus Holz oder in Verbindung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt, Betriebsstelle Bitter-Herrenhof, und zunächst im Museum Altes Zollhaus in Hitzacker präsentiert werden kann. Später soll diese Dokumentation als „objektbezogene“ Dokumentation andernorts gezeigt werden.
Umsetzung bzw. Vorgehensweise
Die Vorarbeiten bedürfen fachwissenschaftlicher Unterstützung. Dies soll in Verbindung mit der Universität Hannover, Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann, angestrebt werden. Für die Biographische Aufarbeitung konnte die Autorin und langjährige dpa-Redakteurin Karin Toben, Rassau/Amt Neuhaus, gewonnen werden. Ihr Buch zur Zwangsaussiedlung (Heimatsehnen) erscheint derzeit in der 3.Auflage. Sie ist auch Co-Autorin der Ausstellungen „Hüben & Drüben“ (2009) und „Lebenswege an der Elbe“, Projekt Amt Neuhaus 2010.
Die mit diesem Antrag verbundenen Recherchen und ihre Ergebnisse sollen zusammengefasst werden für einen weitergehenden Antrag. Zielsetzung dieses Antrags wird es dann sein, eine umfassende Arbeit über die Folgen der DDR-Grenzziehung von 1952 vorzulegen und dabei Material und Hintergrund für die Umsetzung sowohl einer Ausstellung als auch einer Dokumentation und von Grenzinformationstafeln herzustellen. (Mitarbeit der Universität Hannover). Als mögliche Unterstützung zur Finanzierung sollen hierfür Mittel des Europäischen Fonds (LAG), der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur u.a. eingeworben werden.
Für den heute gestellten Antrag fallen vor allem Reisekosten und weitergehende Recherchekosten an. Die Unterlagen zur Elbgrenze liegen im Bundesarchiv in Koblenz und im Militärarchiv in Freiburg/Breisgau, auch im BGS-Archiv in Bad Bramstedt. Die Zollakten liegen zum Teil im Hauptzollamt Lüneburg.
Ohne Einwerbung von Fremdmitteln ist die Gemeinde Amt Neuhaus nicht in der Lage, die notwendigen Voraussetzungen für ein solches Projekt anzugehen. Wir sind dankbar, durch die oben aufgeführten Partner dieses wichtige Projekt anstoßen zu können.